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Zur Vergabe neuer TWV-Nummern
von Ralph-Jürgen Reipsch / Steven Zohn
Sonderdruck aus:
Die Musikforschung
59. Jahrgang 2006
Im Jahre 1999 veröffentlichte Martin Ruhnke den dritten und letzten Band seines verdienstvollen Telemann-Werkverzeichnisses (TWV), Abteilung Instrumentalwerke [1]. Damit wurde nach Vorarbeiten anderer Musikforscher wie z.B. Hans Graeser, [2] Adolf Hoffmann [3] und Siegfried Kross [4] erstmals ein geschlossener Überblick über das weitgefächerte instrumentale Œuvre Georg Philipp Telemanns möglich.
Der Zufall wollte es, dass im Sommer desselben Jahres in Kiew das Notenarchiv der Sing-Akademie zu Berlin wiederentdeckt wurde, in welchem neben dem umfangreichen Bestand an Vokalmusik Telemanns, der von Werner Menke[5] bereits nachgewiesen wurde, auch Instrumentalmusik zu vermuten war. Menke hatte die Telemanniana der Sammlung in Zusammenhang mit den Studien für seine Dissertation[6] und für ein Verzeichnis der Vokalwerke vor der Auslagerung während des Zweiten Weltkrieges fast vollständig aufnehmen können. Aufgrund seines Forschungsgegenstandes blieb die Instrumentalmusik ausgegrenzt. Seit der Rückkehr des Notenarchivs nach Berlin im Dezember 2001 verdient daher dieses Korpus das besondere Interesse der Telemann-Forschung.[7]
Ab Dezember 2002 konnten Mitarbeiter des Zentrums für Telemann-Pflege und Forschung Magdeburg den Telemann-Bestand des Notenarchivs sichten. Es zeigte sich sehr schnell, dass hier neben Drucken und Abschriften bereits verzeichneter Instrumentalmusik auch dreizehn Werke aufbewahrt wurden, die der Forschung bislang unbekannt waren. Somit bot die Wiederentdeckung des Notenarchivs der Sing-Akademie zugleich Anlass, das erst vor kurzer Zeit abgeschlossene TWV zu erweitern.
Martin Ruhnke wurde über die Neufunde noch informiert, hat aber - wohl aus gesundheitlichen Gründen - keine Stellung mehr dazu bezogen. Nach seinem Tod im Jahre 2004 galt es festzulegen, wie bei der Vergabe neuer TWV-Nummern künftig vorzugehen sei.
Das TWV ist seit Anbeginn als Supplement der Telemann-Auswahl-Ausgabe (TA) konzipiert.[8] Nach dem altersbedingten Rückzug Martin Ruhnkes, der auch als Herausgeber der gesamten Editionsreihe fungierte (seit 1992 gemeinsam mit Wolf Hobohm), erhielt die TA im Jahre 2004 in neues wissenschaftliches Projektleitungsteam. Herausgegeben wird die Ausgabe nun von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz in Verbindung mit dem Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg.[9]
Es liegt somit nahe, dass die Vergabe neuer TWV-Nummern künftig in gemeinsamer Abstimmung zwischen dem Projektleitungsteam der TA und dem Magdeburger Telemann-Zentrum erfolgt. Hierbei finden die von Ruhnke bereits Anfang der 1960er-Jahre nach dem Modell von Anthony van Hobokens Haydn-Werkverzeichnis entwickelten Ordnungsprinzipien Anwendung, die von vornherein die Möglichkeit der Ergänzung offenlassen.[10] Die Werkgruppen sind nach Gattungen (teilweise auch nach Anzahl der Instrumente) unterschieden, innerhalb dieser Gruppen werden die Werke fortlaufend nummeriert. Liegen viele Kompositionen einer Gattung vor, erfolgt die Ordnung innerhalb der betreffenden Gruppe nach Tonarten, wobei Werke mit gleichen Thnarten wiederum fortlaufend gezählt werden. Die erste Ziffer der TWV-Nummer gibt die Werkgruppe an, die Ziffer nach dem Doppelpunkt die Zählung innerhalb der Gruppe. Tonarten werden durch große (Dur) oder kleine (Moll) Buchstaben gekennzeichnet.
Nachstehend sollen die neu vergebenen TWV-Nummern erstmals mitgeteilt werden. Recherchierbar werden diese und künftige Ergänzungen des Werkverzeichnisses auch über die Homepage des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg (www.telemann.org/Telemann-Zentrum/tzindex.html).
Die fällige Aktualisierung und notwendige Korrektur des außerhalb der TA erschienenen Telemann-Vokalwerke-Verzeichnisses (TVWV) wird sich nur über einen längeren Zeitraum hin realisieren lassen. Im Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg entsteht zunächst eine Datensammlung zu Werken, die in Werner Menkes Verzeichnis nicht enthalten sind. Weitere Schritte wie die Ergänzung nicht verzeichneter Quellen sowie die Aussonderung von Fehlzuschreibungen werden später folgen.
[1] Georg Philipp Telemann. Thematisch-Systematisches Verzeichnis seiner Werke. Telemann-Werkverzeichnis (TWV). Instrumentalwerke, hrsg. von Martin Ruhnke, 3 Bde. (= Georg Philipp Telemann. Musikalische Werke, Supplement), Bärenreiter-Verlag: Kassel usw. 1984-1999.
[2] Hans Graeser, Georg Philipp Telemanns Instrumentalmusik, Diss. München 1925 (masch.).
[3] Adolf Hoffmann, Die Orchestersuiten Georg Philipp Telemanns TWV 55 mit thematisch-bibliographischem Werkverzeichnis, Wolfenbüttel usw. 1969.
[4] Siegfried Kross, Das Instrumentalkonzert bei Georg Philipp Telemann, Tutzing 1969.
[5] Werner Menke, Thematisches Verzeichnis der Vokalwerke von Georg Philipp Telemann, Bd. I, Frankfurt am Main 1982,2. erw. Auf!. 1988; Bd. 2, Frankfurt 1983, 2. Aufl. 1995.
[6] Werner Menke, Das Vokalwerk Georg Philipp Telemann 'so Überlieferung und Zeitfolge (= Erlanger Beiträge zur Musikwissenschaft, Bd. 3), Kassel 1942.
[7] Zum Telemann-Bestand im Notenarchiv: Ralph-Jürgen Reipsch (Einleitung), Die Telemann-Sammlung aus dem Archiv der Sing-Akademie zu Berlin: Die Georg-PhiIipp-Telemann-Sammlung, Supplement II, hrsg. von der Sing-Akadernie zu Berlin (= Musikhandschriften der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, hrsg. von der Staatsbibliothek zu Berlin, Teil 2) (...) Katalog und Einführung zur Mikrofiche-Edition, München 2003, S. 9-18; Wolf Hobohm, "Magdeburger Studien am Telemann-Bestand im Notenarchiv der Sing-Akadernie zu Ber1iri", in: Mitteilungsblatt der Telemann-GeselIschaft e.V. (Internationale Vereinigung), Nr. 14, Magdeburg 2003, S. 14-23; Ralph-Jürgen Reipsch, "Der Telemannbestand des Notenarchivs der Sing-Akadernie zu Berlin - ein Überblick', in: Telemann - der musikalische Maler / Telemann-Kompositionen im Notenarchiv der Sing-Akademie zu Berlin (= Bericht über die Internationale Wissenschaftliche Konferenz vom 10. bis 12. März 2004 in Magdeburg) [Druck in Vorbereitung); Christoph Henzel, Telemann-Überlieferung im Spiegel des Notenarcmvs der Sing-Akadernie zu Berlin"
[8]. Siehe Anm.l. in: ebd
[9] Generalvorwort zur TA, zuerst in: Georg Philipp Telemann, Geistliches Singen und Spielen. Kantaten vom 1. Advent bis zum Sonntag nach Weihnachten, hrsg. von Ure Poetzsch-Seban (= Georg Philipp Telemann, Musikalische Werke, Bd. XXXIX), Bärenreiter-Verlag: Kassel usw. 2004, S. VII.
[10] WieAnrn.l,Bd.l, VorwortS.VIllff.

TWV 40 = Kammermusik ohne Generalbass
TWV 40:141-149 Neun Sonaten für zwei Traversflöten ohne Generalbass
TWV 40:141
Sonata h-Moll
Vivace - Largo Presto
TWV 40:142
Sonata e-Moll
Piacevole - Andante Scherzando
TWV 40:143
Sonata G-Dur
A tempo giusto - Allegro - Andante Allegro
TWV 40:144
Sonata A-Dur
Pomposo - Vivace - Largo Presto
TWV40:145
Sonata G-Dur
Vivace - Grave - Presto - Menuet Allegro
TWV 40:146
Sonata e-Moll
Allegro - Affettuoso Allegro
TWV 40:147
Sonata h-Moll
Adagio - Vivace - Adagio Presto
TWV 40:148
Sonata G-Dur
Vivace/Grave/Vivace - Allegro - Adagio Presto
TWV 40:149
Sonata D-Dur
Allegro - Affettuoso Vivace
Abschrift: D-Bsa SA 3903 (1-9); Fragmente in Solfeggi Pour La Flute Traversiere avec l'enseignement, Par Mons’ Quantz, Dk-Kk, 6210.2528 (Gieddes Samling I, 16).
Ausgabe: Neun Sonaten für zwei Traversflöten ohne Generalbass TWV 40:141-149, hrsg. Von Ralph-Jürgen Reipsch, Kassel usw.: Bärenreiter 2006 (BA 5888).
Anmerkungen: Die Sammlung besitzt keinen originalen Titel. Passagen fast aller Sonaten sind vertreten in den Quantz'schen Solfeggi. M. Ruhnke hat einige der Fragmente, deren Werkzugehörigkeit seinerzeit noch nicht zu bestimmen war, unter eigenständigen TWV-Nummern zusammengefasst: TWV 40:136-138, 140 (siehe Twv; Bd. 3, S. 254 f.). Die nachstehende Zuordnung dieser Passagen zu den jeweiligen Sonaten bezieht sich auf die folgende Ausgabe: Solfeggi Pour La Flute Traversiere avec l'enseignement, Par Mons’ Quantz, nach dem Autograph erstmals herausgegeben von Winfried Michel und Herrnien Teske, Winterthur: Amadeus 1978 (Amadeus 686).
| 40:141 |
Vgl. auch TWV 40:137; Solfeggi: 1. Vivace, S. 46, 91; 2. Largo [Solfeggi: Lento], S. 83,
91; 3. Presto, S. 46, 83, 91
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| 40:142 |
1. Satz Vgl. auch TWV 40:140; Solfeggi: 1. Piacevole, S. 46; 2. Andante, S. 91;
3. Scherzando, S. 91
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| 40:143 |
Solfeggi: 1. A tempo giusto, S. 27, 92; 2. Allegro und 3. Andante, S. 92
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| 40:144 |
4. Satz vgl. auch TWV 40:138; Solfeggi: 2. Vivace, S. 27, 84; 4. Presto, S. 27
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| 40:146 |
Solfeggi: 1. Allegro, S. 84
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| 40:147 |
Solfeggi: 2. Vivace, S. 92
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| 40:148 |
3. und 4. Satz vgl. auch TWV 40:136; Solfeggi: 2. Allegro, S. 92; 3. Adagio und
4. Presto, S. 84
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| 40:149 |
Solfeggi, NA: 1. Allegro [Solfeggi: Presto], S. 92; Vivace, S. 84, 92
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TWV 42 = Kammermusik für zwei Instrumente und Generalbass
TWV 42:G15
Sonate G-Dur für 2 Violinen und Basso continuo
Andante - Allegro - Largo - Vivace
Abschrift: D-Bsa SA 3850
TWV 42:A17
Sonate A-Dur für 2 Violinen und Basso continuo
Andante - Vivace - Grave - Allegro
Abschrift: D-Bsa SA 3851
Anmerkungen: B.c.-Stimme fehlt
TWV 42:B7
Sonata B-Dur für Oboe, Fagott und Basso continuo
Allegro - Largo - Scherzo - Menuet
Abschrift: D-Bsa SA 3553
Anmerkungen: Autorschaft zweifelhaft

TWV 44 = Kammermusik für 4 und mehr Instrumente und Generalbass
TWV 44:35
Sonata A-Dur für 2 Violinen, 2 Violen, Violoncello und Basso continuo
Affettuoso - Allegro - Affettuoso - Allegro
Abschrift: D-Bsa SA 3559 (7)
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